Qualitätskriterien für die Rollendarstellung von Simulationspersonen in der Medizin – Ergebnisse einer multizentrischen, qualitativ-explorativen Studie in Deutschland und der Schweiz
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Fragestellung/Zielsetzung
Bei der Arbeit mit Simulationspersonen (SP) in der gesundheitsbezogenen Ausbildung sind eine gute Rollendarstellung und deren Qualitätssicherung von großer Bedeutung. Mit dem MaSP [1] und dem NESP [2] existieren 2 Instrumente, die sich zum Teil auf die Evaluation der Rollendarstellung von SP konzentrieren, aber es mangelt an empirischer Forschung zur Qualität der Rollendarstellung. Unsere Forschungsziele waren daher, (1) eine gute Rollendarstellung von SP aus der Perspektive verschiedener Interessengruppen zu beschreiben, (2) Schlüsselkomponenten einer guten Rollendarstellung zu identifizieren und 3) den vermuteten Einfluss der Rollendarstellung von SP auf das Erreichen von Lern- und Prüfungszielen zu untersuchen.
Methoden
Unter Verwendung von standardisierten Leitfäden wurden halbstrukturierte Interviews und Fokusgruppen mit Vertreter*innen der 4 Stakeholdergruppen Studierende, Dozierende, SP-Trainer*innen und SP durchgeführt. Die teilnehmenden Personen stammten von 9 akademischen Institutionen in Deutschland und der Schweiz, die Gesundheitsberufe ausbilden. Die Audiodaten wurden nach dem GAT 2-Schema transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring [3] ausgewertet. Die Analyse ist zum Großteil abgeschlossen und wird zum Zeitpunkt der Tagung final sein. Ein Ethikvotum wurde im Vorfeld eingeholt.
Ergebnisse
Es wurden insgesamt 7 Interviews und 1 Fokusgruppe je Stakeholdergruppe durchgeführt. Als relevante Kategorien für gute Rollendarstellung wurden u. a. eine realitätsnahe Präsentation der Krankheitssymptome benannt sowie eine Darstellung, die in Prüfungen das Erreichen der maximalen Punktzahl ermöglicht. Zudem zeichnet sich ab, dass formale Kriterien (z. B. Rollenwissen, Organisation der Einsätze) von schauspielerischen Aspekten (z. B. Improvisationsfähigkeit) und Persönlichkeitsmerkmalen der SP unterschieden werden. Bemerkenswert ist die Kategorie des „Fictional Contract“, die beinhaltet, dass gute Rollendarstellung keine solitäre Aufgabe der SP, sondern ein reziproker Prozess ist, der die Studierenden miteinschließt.
Diskussion
Die bisherige Auswertung zeigt, dass die Interpretation von Begriffen wie „Qualität“ oder „gute Darstellung“ je nach Perspektive der Stakeholder-Gruppen stark variieren kann. Während für Dozierende z. B. die Realitätsnähe relevanter zu sein scheint, steht für Studierende die Erreichbarkeit bestmöglicher Prüfungsergebnisse im Vordergrund. Die Qualität der Rollendarstellung basiert neben der schauspielerischen Leistung der SP u. a. auf guten Rollenskripten, guter Organisation und dem Commitment der Studierenden.
Take home messages
1. Gute Rollendarstellung ist ein komplexer, reziproker Prozess, an dem neben den SPs auch die Institution und die Studierenden beteiligt sind.
2. Gute Rollendarstellung ist eine Frage der Perspektive.
3. Gute Rollendarstellung hat Einfluss auf Lehr- und Prüfungsergebnisse.
Dieser Abstract steht unter den Bedingungen der Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International License
Bei der Arbeit mit Simulationspersonen (SP) in der gesundheitsbezogenen Ausbildung sind eine gute Rollendarstellung und deren Qualitätssicherung von großer Bedeutung. Mit dem MaSP [1] und dem NESP [2] existieren 2 Instrumente, die sich zum Teil auf die Evaluation der Rollendarstellung von SP konzentrieren, aber es mangelt an empirischer Forschung zur Qualität der Rollendarstellung. Unsere Forschungsziele waren daher, (1) eine gute Rollendarstellung von SP aus der Perspektive verschiedener Interessengruppen zu beschreiben, (2) Schlüsselkomponenten einer guten Rollendarstellung zu identifizieren und 3) den vermuteten Einfluss der Rollendarstellung von SP auf das Erreichen von Lern- und Prüfungszielen zu untersuchen.
Methoden
Unter Verwendung von standardisierten Leitfäden wurden halbstrukturierte Interviews und Fokusgruppen mit Vertreter*innen der 4 Stakeholdergruppen Studierende, Dozierende, SP-Trainer*innen und SP durchgeführt. Die teilnehmenden Personen stammten von 9 akademischen Institutionen in Deutschland und der Schweiz, die Gesundheitsberufe ausbilden. Die Audiodaten wurden nach dem GAT 2-Schema transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring [3] ausgewertet. Die Analyse ist zum Großteil abgeschlossen und wird zum Zeitpunkt der Tagung final sein. Ein Ethikvotum wurde im Vorfeld eingeholt.
Ergebnisse
Es wurden insgesamt 7 Interviews und 1 Fokusgruppe je Stakeholdergruppe durchgeführt. Als relevante Kategorien für gute Rollendarstellung wurden u. a. eine realitätsnahe Präsentation der Krankheitssymptome benannt sowie eine Darstellung, die in Prüfungen das Erreichen der maximalen Punktzahl ermöglicht. Zudem zeichnet sich ab, dass formale Kriterien (z. B. Rollenwissen, Organisation der Einsätze) von schauspielerischen Aspekten (z. B. Improvisationsfähigkeit) und Persönlichkeitsmerkmalen der SP unterschieden werden. Bemerkenswert ist die Kategorie des „Fictional Contract“, die beinhaltet, dass gute Rollendarstellung keine solitäre Aufgabe der SP, sondern ein reziproker Prozess ist, der die Studierenden miteinschließt.
Diskussion
Die bisherige Auswertung zeigt, dass die Interpretation von Begriffen wie „Qualität“ oder „gute Darstellung“ je nach Perspektive der Stakeholder-Gruppen stark variieren kann. Während für Dozierende z. B. die Realitätsnähe relevanter zu sein scheint, steht für Studierende die Erreichbarkeit bestmöglicher Prüfungsergebnisse im Vordergrund. Die Qualität der Rollendarstellung basiert neben der schauspielerischen Leistung der SP u. a. auf guten Rollenskripten, guter Organisation und dem Commitment der Studierenden.
Take home messages
1. Gute Rollendarstellung ist ein komplexer, reziproker Prozess, an dem neben den SPs auch die Institution und die Studierenden beteiligt sind.
2. Gute Rollendarstellung ist eine Frage der Perspektive.
3. Gute Rollendarstellung hat Einfluss auf Lehr- und Prüfungsergebnisse.
Dieser Abstract steht unter den Bedingungen der Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International License
Date of Publication
2025-09-09
Publication Type
Conference Item
Language(s)
de
Contributor(s)
Peter, Tim | |
Eberz, Peter | Charité |
Goerges, Ulf | Carl von Ossietzky University of Oldenburg |
Schwarz, Laura | |
Weckmann, Gesine | |
Thrien, Christian | University of Cologne |
Additional Credits
Institut für Medizinische Lehre, Unterricht und Medien, SP-Methodik
Carl von Ossietzky University of Oldenburg
Institut für Medizinische Lehre, Unterricht und Medien, Lernzentren / Skills
Institute for Medical Education, Education and Media Unit (AUM)
Charité
University of Cologne
Publisher
German Medical Science GMS Publishing House
Access(Rights)
metadata.only