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Neurophysiologische Korrelate der Alkoholabhängigkeit. Kontextabhängige neuronale Reizreaktivität

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BORIS DOI
10.48350/162457
Abstract
Zusammenfassung
Die Dissertation beschäftigt sich mit der Frage, wie Patienten mit einer Alkoholabhängigkeit alko-holbezogene Reize verarbeiten. Behaviorale und neurophysiologische Forschungsergebnisse weisen auf Unterschiede in der reizinduzierten Reaktion bei alkoholabhängigen Personen und Gesunden hin. Erhöhte Reizreaktivität und neuronale Aktivierungen in bestimmten Hirnregionen gehen mit einer er-höhten Rückfallwahrscheinlichkeit einher. Berichte von Patienten, klinische Beobachtungen und Stu-dienergebnisse legen nahe, dass Kontextfaktoren beim Alkoholkonsum einen wesentlichen Einfluss auf Entwicklung und Aufrechterhaltung der Abhängigkeitserkrankung haben. Trotz vielversprechen-der Fortschritte in Forschung und Therapie ist die Rückfallrate bei der Alkoholkonsumstörung nach wie vor hoch.
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, bestimmte Aspekte der Verarbeitung von alkoholbezo-genen Hinweisreizen und den Einfluss der gewohnten Trinkumgebung (Kontext) bei alkoholabhängi-gen Patienten zu erforschen. Das komplexe Zusammenspiel von Umgebungsfaktoren und reizindu-zierten neuronalen Reaktionen wurde systematisch untersucht. Durch die vorliegenden Studien wird ein Beitrag zur Beantwortung folgender Fragen geleistet: Wie bewerten alkoholabhängige Patienten und gesunde Kontrollpersonen alkoholbezogene Stimuli im Vergleich zu neutralen Stimuli? Welche Hirnareale werden durch die Verarbeitung aktiviert? Welchen Einfluss hat der Kontext des gewohn-ten Alkoholkonsums auf die Exposition mit Hinweisreizen? Gibt es Unterschiede in der neuronalen Aktivierung zwischen alkoholabhängigen Patienten und gesunden Kontrollpersonen?
In der Einleitung werden verschiedene Aspekte der Alkoholabhängigkeit einführend beleuch-tet. Diese betreffen Schäden durch die Abhängigkeit, die Epidemiologie, die Rückfälle und die The-rapie. Den Abschluss der Einleitung bildet eine kurze Zusammenfassung der eigenen Forschungstä-tigkeit. Im darauffolgenden Kapitel werden verschiedene Störungsmodelle und Theorien der Alko-hol¬ab¬hängigkeit mit Schwerpunkt auf Modellen der Reizreaktivität, neurophysiologischen Modellen und Dual-Process-Modellen aufgeführt. Ziele und Hypothesen der beiden vorliegenden Studien wer-den im Anschluss daran vorgestellt. Im Kapitel theoretischer Hintergrund werden wesentliche Stu-dien und Theorien, welche für die Arbeit von zentraler Bedeutung sind, angeführt. Erkenntnisse aus Psychologie und Neurowissenschaften werden im Hinblick auf die zentralen Fragestellungen erläu-tert. Dieses Kapitel enthält einerseits Überlegungen zur Stimulusvalidität und Modelle zur Verarbei-tung von alkoholbezogenen Reizen, andererseits wird der Einfluss der gewohnten Konsumumgebung bei Patienten mit Alkoholabhängigkeit thematisiert. Die angewendeten Verfahren, insbesondere die Imagination zur Simulation des Konsumkontextes, werden erklärt. Das fünfte Kapitel enthält zwei wissenschaftliche Artikel. Im ersten Artikel wird die Entwicklung einer grossen Anzahl von Bildern beschrieben, welche die Qualitätskriterien für die (neurophysiologische) Forschung erfüllen. Der zweite Artikel widmet sich dem Einfluss des individuellen Konsumkontextes auf die stimulusindu-zierte neuronale Aktivierung bei alkoholabhängigen Patienten. Die Imaginationssequenz zur Simulati-on der gewohnten Trink¬umgebung, die kurz vor der funktionellen Magnetresonanztomographie-Messung mit den Probanden durchgeführt wurde, bildet die wesentliche Innovation dieser Arbeit. Die erste Studie zeigt, dass bezüglich der Ratingwerte Unterschiede zwischen den beiden Bilderka-tegorien (alkoholbezogen und neutral), aber kaum Unterschiede zwischen den beiden Gruppen (Pati-enten und Kontrollen) bestehen. Aus der zweiten Studie geht hervor, dass alkoholbezogene kontex-tuelle Faktoren einen wesentlichen Einfluss auf die Gehirnaktivität bei Patienten mit einer Alkohol-abhängigkeit haben. Suchtrelevante Bereiche, die mit Belohnungsprozessen, Gewohnheitslernen und Aufmerksamkeitslenkung assoziiert sind, werden verstärkt aktiviert. In der abschliessenden Diskussi-on werden die empirisch gewonnenen Ergebnisse zusammenfassend bewertet und Anregungen für weitere Forschung und Implikationen für die Therapie der Alkoholabhängigkeit aufgezeigt. Die Er-gebnisse der vorliegenden Arbeit zeigen, dass kontextuelle Bedingungen bei der Planung und Durch-führung von Therapien berücksichtigt werden müssen. Herkömmliche Therapien können durch die Erweiterung mit Erkenntnissen aus neurophysiologischen Studien sinnvoll ergänzt werden.
Date of Publication
2021
Theses Type
dissertation
Subject(s)
600 Technology > 610 Medicine & health
Keyword(s)
Alkoholabhängigkeit
Reizreaktivität
Alkoholkonsumkontext
Imagination
neurophysiologische Korrelate
Dual Process-Modelle
Language(s)
de
Author(s)
Fey, Werner Martin
Faculty/Graduate School
Faculty of Medicine
Institute
Zentrum für Translationale Forschung der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Philosophisch-humanwissenschaftliche Fakultät
Institute of Psychology, Clinical Psychology and Psychotherapy
University Hospital of Psychiatry and Psychotherapy
Institute of Psychology
Insitut für Psychologie Unversität Bern; Abteilung: Klinische Psychologie und Psychotherapie
Access(Rights)
restricted
Primary OA Publication
false
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Build: dd892c [ 9.04. 8:30]
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