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Abstrakte Ästhetik und sakrale Tradition

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BORIS DOI
10.48549/7049
Subtitle
Oskar Eberles Inszenierungen religiöser Spiele in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Schweiz
Abstract
Die vorliegende Dissertation untersucht die Inszenierungen religiöser Spiele des Innerschweizer Regisseurs, Dramatikers und Theaterhistorikers Oskar Eberle (1902–1956) in der Zwischenkriegs- und Kriegszeit. Im Fokus stehen Eberles Inszenierungen geistlicher Stoffe zwischen 1929 und 1945 sowie deren ästhetische Ausprägungen, Produktionsbedingungen und kulturpolitische Einbettung. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Beobachtung, dass Eberles Theaterpraxis bislang vorwiegend über seine nationalen Festspielinszenierungen rezipiert wurde, während seine Inszenierungen religiöser Spiele sowie seine Rolle als Förderer des Laientheaters nur randständig berücksichtigt wurden. Vor diesem Hintergrund fragt die Arbeit nach den übergeordneten Zielsetzungen und Wirkungsabsichten von Eberles Inszenierungen, insbesondere vor dem Umstand, dass weder die Ausbildung einer individuellen künstlerischen Handschrift noch die Entwicklung eines eigenständigen Dramaturgiestils im Zentrum seines praktischen Wirkens standen.
Die Dissertation entstand im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten Forschungsprojekts Oskar Eberle (1902–1956): Identitätsdiskurs, Theaterpolitik und Laienspielreform und basiert auf einer umfassenden Analyse des öffentlich zugänglichen Nachlasses Oskar Eberles im Schweizer Archiv der Darstellenden Künste (SAPA) in Bern sowie eines bislang nicht öffentlich erschlossenen Privatnachlasses. Das heterogene Quellenkorpus – bestehend aus Korrespondenzen, Tagebuch- und Agendaeinträgen, Produktionsunterlagen, Vereinsakten, Pressematerialien sowie kulturpolitischen und organisatorischen Dokumenten – bildet die Grundlage eines induktiven und methodisch pluralen Vorgehens. Die jeweilige Quellenlage bestimmt dabei die wissenschaftliche Perspektive auf die untersuchten Theaterereignisse. Entsprechend verzichtet die Arbeit auf eine detaillierte aufführungsanalytische Rekonstruktion und richtet den Fokus stattdessen auf Produktionsprozesse, Organisationsstrukturen, räumliche Kontexte sowie auf religiöse, gesellschaftliche und kulturpolitische Diskurse.
Im Zentrum der Analyse stehen ausgewählte Inszenierungen: das Bruderklausenspiel von 1929, die Luzerner Passionsspiele von 1934 und 1938, die Welttheater-Inszenierungen in Einsiedeln von 1935 und 1937 sowie einer weiteren Bearbeitung des Bruder-Klaus-Stoffes „Chlaus vo Flüe. Es Spyl vom Fride“ (1944/45). Anhand dieser Beispiele wird aufgezeigt, wie Eberle abstrakte Inszenierungsformen mit der Wiederbelebung sakraler Spieltraditionen verband. Seine Inszenierungen erweisen sich dabei als eng verknüpft mit reformkatholischen Denkfiguren, barocken Theaterkonzepten und einem ausgeprägten Engagement für die Förderung einer regional und national verankerten Laientheaterkultur.
Auf Grundlage des ausgewerteten Quellenmaterials positioniert sich die Arbeit gegenüber bisherigen Deutungen, die Eberles Theaterpraxis primär im Zusammenhang mit völkisch-nationalsozialistischen Theaterkonzepten verorten. Diese Lesarten werden durch eine quellenbasierte Neukontextualisierung ergänzt, welche die Vielschichtigkeit von Eberles Wirken sowie die spezifischen kulturpolitischen Rahmenbedingungen der Schweiz in der Zwischenkriegs- und Kriegszeit berücksichtigt. Die Dissertation leistet damit einen Beitrag zur differenzierten theaterhistoriografischen Einordnung Oskar Eberles und unterstreicht zugleich die Relevanz theaterferner Quellen für die Erforschung nicht-institutionalisierter religiöser Theaterpraxis im 20. Jahrhundert.
Date of Publication
2023
Year of graduation
2023
Theses Type
dissertation
Subject(s)
700 Arts > 790 Sports, games & entertainment
Language(s)
de
Author(s)
Gfeller, Simoneorcid-logo
Faculty/Graduate School
Faculty of Humanities
Institute
Institute of Theater Studies
Access(Rights)
open.access
Primary OA Publication
true
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Build: dd892c [ 9.04. 8:30]
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