Kirche, Ethnizität und Mythos: Die 'Revolution des Poncho' in Ecuador (1960-1990)
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BORIS DOI
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Seit den Protestwellen der 1990er Jahre hält die Indigenenbewegung Ecuadors nicht nur in der Politik einen festen Platz inne, sondern ist als Neue Soziale Bewegung auch in der Wissenschaft umfangreich beleuchtet worden. Wenig bekannt ist, dass Vertreter der Katholischen Kirche des Landes, das Erstarken der Indigenenbewegung als Sieg der »Revolution des Poncho« feierten. Ausgehend von der im Jahre 1968 vom lateinamerikanischen Klerus ausgerufenen Option für die Armen, sah der ecuadorianische Bischof Leonidas Proaño seine Aufgabe in der ›Befreiung der Indigenen‹, was nicht nur eine Faszination für den »Bischof mit dem Poncho« zur Folge hatte, sondern insgesamt zu einer Mythologisierung der Rolle der Kirche in der Gründung der Indigenenbewegung führte. Mit einem Blick über die Einflüsse einzelner Akteure hinaus, argumentiert dieser Artikel, dass der hier im Zentrum stehende Revolutionsbegriff, der den Mobilisierungsprozess der ecuadorianischen Indigenen als Resultat eines befreiungstheologischen Engagements beschreibt, einen wirkmächtigen Mythos und Erinnerungsdiskurs geschaffen hat. Um die Entstehung und Charakteristika des Mythos der »Revolution des Poncho« herauszuarbeiten, werden insbesondere die Definition und Verwendung des Revolutionsbegriffs im befreiungstheologischen Milieu sowie der zunehmende Fokus in der Pastoralarbeit auf ›die Indigenen‹ beleuchtet. Damit hinterfragt der Beitrag bestehende Narrative des Widerstands, diskutiert Fragen zur Deutungshoheit des Begriffs der Revolution und bietet einen neuen Zugang zur Erforschung von Ethnizität als politischer Ressource.
Date of Publication
2019-12
Publication Type
Article
Subject(s)
Language(s)
de
Additional Credits
Series
Archiv für Sozialgeschichte
Publisher
J.H.W. Dietz Nachfolger
ISSN
0066-6505
Access(Rights)
restricted