Das Drama der geraubten afrikanischen Gemeingüter (Commons): Koloniale Hinterlassenschaften, Degradierung von Kulturlandschaften und lokale Alternativen
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Die Debatte bezüglich Nachhaltigkeit in Afrika ist geprägt von der westlichen Wahrnehmung einer reinen afrikanischen Natur, die von einer zunehmenden Bevölkerung immer stärker degradiert wird. Dieser Blick verschleiert drei Aspekte: Zum einen wird nicht erkannt, dass es sich nicht um eine reine Natur handelt, sondern um Kulturlandschaften, welche lange vor der Kolonialzeit auf der Basis von Gemeingütereigentum (engl. common property) durch die diversen lokalen Bevölkerungsgruppen geschaffen wurden. Ihre Nutzungsregelungen (Institutionen) für das Jagen, Sammeln, Nutzung von Weidege- und Waldbieten sowie eine vielfältige traditionelle Landwirtschaft haben das geschaffen, was die kolonialen Verwalter angetroffen und sich als reine Natur angeeignet hatten. Zweitens müssen demzufolge die vielfältigen Formen der kolonialen Aneignung von Ressourcen nicht nur als Landraub, sondern als Raub der afrikanischen Gemeingüter interpretiert werden. Drittens ist dieser Raub mit dem Ende der Kolonialzeit und der Unabhängigkeit afrikanischer Nationen nicht beendet, sondern manifestiert sich aufgrund der kolonial geprägten Struktur von Nationen und des Falschlesens von Natur in immer neuen Formen des ‘commons grabbings’. Dies zeigt sich in der Expansion von Naturschutzgebieten, Landinvestitionen und Grossinfrastrukturprojekten sowie auch in internationalen wie auch nationalen Rahmenabkommen für eine nachhaltige Nutzung wie die SDGs der UN und die damit verbundene ‘30 by 30’-Strategie (Schutzes von 30% der globalen Landfläche bis 2030). In diesem Zusammenhang könnte nicht von der Tragödie der afrikanischen Allmende, sondern eher von der Tragödie der geraubten Gemeingüter gesprochen werden, die zu Übernutzung von sowie Unterminierung von ehemaligen Kulturlandschaften geführt hat. Im Vortrag wird aber auch deutlich, dass sich lokale Bevölkerungsgruppen zur Wehr setzten und zudem Alternativen für eine nachhaltige Nutzung entwickeln, so dass eher von einem Drama als von einer Tragödie die Rede sein müsste, mit welchem Ressourcenraub und Degradierung auf dem Kontinent begegnet wird. Diese Sichtweise bezieht das aktive Handeln der afrikanischen Bevölkerung mit ein, die somit nicht nur als Opfer, sondern als strategische Akteure in Erscheinung treten.
Date of Publication
2024-12-18
Publication Type
Conference Item
Language(s)
de
Access(Rights)
metadata.only