Vergebliches Streben? Produktive Verschränkungen von Providenzlogik und Kontingenzerwartung in Prosaromanen der Frühen Neuzeit (‚Paris et Vienne‘ – ‚Paris und Vienna‘ – ‚Pierre de Provence‘ – ‚Die schöne Magelone‘)
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Description
Der Beitrag gilt Romanen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, die als späte Ausläufer des ‚Liebes- und Abenteuerromans‘ bzw. ‚récit idyllique‘ gelten. Gemeinsamer Zug dieser heterogenen Romangruppe ist ihre schicksalhaft determinierte Handlungsstruktur, in der das aktive Planen und Tun der Figuren kaum eine Rolle für die Entwicklung des Geschehens und seinen Ausgang spielt. Damit einher geht eine Art der Figurenzeichnung, nach der die Protagonisten passiv und schicksalsergeben, mehr leidend als agierend, durch die providenziell gelenkte Handlung getragen werden: ein Konzept, das sich über weitverzweigte Verbindungen auf das Figurenprofil des oder der erzählten Heiligen zurückführen lässt und Nahtstellen zum hagiographischen Erzählen aufweist. Anhand von zwei französischsprachigen Originalromanen des 15. Jahrhunderts und ihren deutschsprachigen Bearbeitungen, die auf das dem ‚Liebes- und Abenteuerroman‘ eignende Strukturmuster der schicksalhaften Trennung und Wiedervereinigung eines Liebespaars zurückgreifen, verfolgt der Beitrag konzeptionelle Ausbruchsversuche aus den Vorgaben der strukturell ererbten Schicksalslogik. Sowohl ‚Paris et Vienne‘ des Pierre de la Cépède als auch ‚Pierre de Provence‘ eines unbekannten Verfassers entwerfen Protagonisten, die in einer vom Strukturentwurf des ‚Liebes- und Abenteuerromans‘ geprägten Erzählwelt bemüht sind, den Verlauf der Ereignisse ihren Zielen entsprechend zu beeinflussen. Aus dem somit doppelt, gleichsam redundant codierten Handlungsverlauf, in dem Schicksals- und Figurensteuerung paradox ineinandergreifen, entsteht im Fall von ‚Paris und Vienne‘ ein narrativer Überschuss, der sich in Figuren- und Situationskomik entlädt. Im Fall von ‚Pierre de Provence‘ lässt sich am Verlauf der Handlung verfolgen, wie die paradoxe Semantik der erzählten Handlung zunächst in offensichtliche Erzählbrüche führt, im Fortgang der Handlung jedoch zu komplexen logischen Verschränkungen, über die die Integration von Figurenwillen und Schicksalsfügung zumindest oberflächlich gelingt. In beiden Fällen aber nehmen die deutschsprachigen Bearbeitungen – der 1488 gedruckte niederdeutsche Roman ‚Paris und Vienna‘, die bald nach 1510 in Nürnberg entstandene ‚Hystoria von dem edeln Ritter Peter von Provenz und der schönen Magelona‘ und die Rezeption von Veit Warbecks ‚Schöner Magelone‘ (1527/1535) – die innovativen Züge ihrer Vorlagen zurück. Sie deuten die Verschränkung von Providenzlogik und Kontingenzbewusstsein moraldidaktisch oder lösen sie in Erkenntnisaufgaben und Handlungsanleitungen für intendierte Leser und Leserinnen auf.
Date of Publication
2025
Publication Type
Book Section
Language(s)
de
Editor(s)
Althaus, Thomas | |
Lienert, Elisabeth |
Additional Credits
Publisher
Aisthesis Verlag
ISBN
9783849821227
Access(Rights)
metadata.only