Streichungen und ihre Visualisierung in der digitalen Gotthelf-Edition
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Description
Textstreichungen kommen im Handschriftenkorpus der Gotthelf-Edition in vielfältigen Formen vor: Wörter oder Wortteile sind überschrieben, mit Strichen, Kringeln oder Wellenlinien übermalt, Text ist eingeklammert oder rasiert, oder es wurde die noch nasse Tinte verwischt. Manchmal ist gestrichener Text, signalisiert durch Unterpungierung, restituiert. Manchmal gehen Sätze grammatisch-syntaktisch nicht auf, weil ein Tilgungsstrich zu lang oder zu kurz geraten ist.
Fast alle diese Formen lassen sich auf vier Grundtypen der Handschriftenbearbeitung zurückführen: 1. Abstreichung. 2. Tilgung. 3. Tilgung im Rahmen einer Ersetzungskorrektur. 4. Fälschliche Tilgung.
Abstreichungen erscheinen auf gotthelf-digital.ch als gestrichener Text. Tilgungen und ersetzte Passagen sind in der Textgenese-Ansicht der Edition zu sehen, farblich markiert, mit einer entsprechenden Legende, am originalen Ort im Dokument und mit einer allfälligen Zusatzinformation zur Form der Streichung. Über fälschliche Tilgungen informieren Legenden oder Popup-Kästchen in der Textgenese-Ansicht.
Als editorisch am herausforderndsten haben sich nicht zuletzt Tilgungen mit simplen Tilgungsstrichen in Manuskripten wie der Schwarzen Spinne herausgestellt, in die mehrere Hände nacheinander eingegriffen haben. Einfache Tilgungsstriche lassen sich in der Regel nicht klar einer bestimmten Hand zuordnen. Diese Unsicherheit wird dadurch kenntlich gemacht, dass die entsprechenden Passagen in einer rückwärts geneigten Schrift gehalten sind.
Hin und wieder kommen Streichungen vor, die Einblicke in zeitgenössische Diskurse ermöglichen, etwa wenn Gotthelf 1829 in einer Predigt schreibt, es habe sich «auf uns die nämliche [Natur] sundl. Art fortgepflanzt welche in den Juden war». – Vor dem Hintergrund der aufkommenden biologistischen Judenfeindschaft war es für den Berner Landpfarrer offenbar nicht mehr ohne Weiteres möglich, Juden und Christen die «nämliche Natur» zuzusprechen.
Fast alle diese Formen lassen sich auf vier Grundtypen der Handschriftenbearbeitung zurückführen: 1. Abstreichung. 2. Tilgung. 3. Tilgung im Rahmen einer Ersetzungskorrektur. 4. Fälschliche Tilgung.
Abstreichungen erscheinen auf gotthelf-digital.ch als gestrichener Text. Tilgungen und ersetzte Passagen sind in der Textgenese-Ansicht der Edition zu sehen, farblich markiert, mit einer entsprechenden Legende, am originalen Ort im Dokument und mit einer allfälligen Zusatzinformation zur Form der Streichung. Über fälschliche Tilgungen informieren Legenden oder Popup-Kästchen in der Textgenese-Ansicht.
Als editorisch am herausforderndsten haben sich nicht zuletzt Tilgungen mit simplen Tilgungsstrichen in Manuskripten wie der Schwarzen Spinne herausgestellt, in die mehrere Hände nacheinander eingegriffen haben. Einfache Tilgungsstriche lassen sich in der Regel nicht klar einer bestimmten Hand zuordnen. Diese Unsicherheit wird dadurch kenntlich gemacht, dass die entsprechenden Passagen in einer rückwärts geneigten Schrift gehalten sind.
Hin und wieder kommen Streichungen vor, die Einblicke in zeitgenössische Diskurse ermöglichen, etwa wenn Gotthelf 1829 in einer Predigt schreibt, es habe sich «auf uns die nämliche [Natur] sundl. Art fortgepflanzt welche in den Juden war». – Vor dem Hintergrund der aufkommenden biologistischen Judenfeindschaft war es für den Berner Landpfarrer offenbar nicht mehr ohne Weiteres möglich, Juden und Christen die «nämliche Natur» zuzusprechen.
Date of Publication
2026-02
Publication Type
Conference Item
Keyword(s)
Textgenese
•
Jeremias Gotthelf
•
Streichungen
•
digitale Edition
Language(s)
de
Additional Credits
Title of Event
Access(Rights)
metadata.only