Bericht über das Rechercheprojekt „Zürich und die Spanienfreiwilligen“
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BORIS DOI
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Der vorliegende Bericht ist das Resultat einer viermonatigen Studie über die Quellenlage zum
Schicksal der zurückgekehrten Zürcher Freiwilligen, die während des Spanischen
Bürgerkrieges (1936–1939) nach Spanien fuhren, um der Republik zu helfen und die Werte
der Freiheit und Demokratie gegen die Rebellion faschistischer und monarchistischer
Generäle zu verteidigen. Ziel dieser Recherche war es zu erfahren, ob und inwieweit die
Behörden der Stadt Zürich verantwortlich für Diskriminierung oder Stigmatisierung waren, die
diese Spanienfreiwilligen nach ihrer Rückkehr in die Schweiz erfuhren. Es galt also zu
ermitteln, ob die Stadt Zürich ihnen etwa den Zugang zu öffentlichen Stellen oder sozialer
Wirtschaftshilfe verwehrte. Zu dieser Fragestellung gesellte sich auch jene nach der
Bedeutung der Stadtzürcher politischen Polizei (Staatsschutz) in der Zeit der (zweiten)
geistigen Landesverteidigung, d.h. inwiefern etwa das kommunistische Credo vieler
Spanienfreiwilligen eine Rolle für eine allfällige Diskriminierung spielte.
Für die Beantwortung dieser Fragen wurden hauptsächlich die Bestände des Stadtarchivs
Zürich gesichtet. Von besonderer Bedeutung waren die Akten der Sozialen Dienste der Stadt
sowie des Staatsschutzes (Kriminalkommissariat III, KK III). In der Absicht, weitere Belege für
eine allfällige Diskriminierung zu finden, wurden auch Nachlässe, Fonds privater
Organisationen und Parteiarchive herangezogen, welche Ego-Dokumente wie Briefe,
Unterstützungsbegehren, Dankesschreiben o.ä. beinhalteten. Auch Archive von
Berufsverbänden wurden zwecks Ermittlung allfälliger Berufsverbote mitberücksichtigt. Zu
diesem Zweck wurden auch Akten im Schweizerischen Bundesarchiv gesichtet. Durch
mündliche Interviews mit Kindern, Enkelkindern und Bekannten von Spanienfreiwilligen
wurden weitere Recherchemöglichkeiten sondiert.
Die Recherche ergab als besonders wichtigen Befund die Feststellung, dass jene ehemaligen
Spanienfreiwilligen, die sich in der Not um soziale Hilfe der Stadt bewarben, tatsächlich
unterstützt wurden. Zwar lässt sich in den Akten der Behörden ein missgünstiger, feindlicher
Blick auf diese Menschen erkennen, doch bleibt die Tatsache, dass die Stadt Zürich den
Rückkehrer*innen und ihren Familien wenn nötig unter die Arme griff.
Im Falle der Akten des Zürcher Staatsschutzes lässt sich hingegen kein definitiver Schluss
ziehen. Dies hängt damit zusammen, dass nur sehr wenige Fichen und Dossiers über die in
Zürich wohnhaften ehemaligen Spanienfreiwilligen überliefert sind bzw. dass im Laufe der Zeit
mit grosser Wahrscheinlichkeit Akten vernichtet wurden. Verweise auf eine Hervorhebung des
Spanieneinsatzes finden sich nur vereinzelt und es ist unklar, was genau mit diesem
Sonderstatus beabsichtigt wurde. Diese Quellenlage würde daraufhin hindeuten, dass die
Überwachung der ehemaligen Spanienfreiwilligen einen präventiven Charakter hatte. Es
wurde auch keine sogenannte ‘Schwarze Liste’ gefunden, die zur Verhängung von
Berufsverboten hätte eingesetzt werden können. Doch gerade aufgrund der kargen
Quellenlage im Stadtarchiv würde es sich lohnen, nach Beständen in anderen Institutionen zu
suchen und die Befragung von Zeitzeug*innen auszuweiten.
Schicksal der zurückgekehrten Zürcher Freiwilligen, die während des Spanischen
Bürgerkrieges (1936–1939) nach Spanien fuhren, um der Republik zu helfen und die Werte
der Freiheit und Demokratie gegen die Rebellion faschistischer und monarchistischer
Generäle zu verteidigen. Ziel dieser Recherche war es zu erfahren, ob und inwieweit die
Behörden der Stadt Zürich verantwortlich für Diskriminierung oder Stigmatisierung waren, die
diese Spanienfreiwilligen nach ihrer Rückkehr in die Schweiz erfuhren. Es galt also zu
ermitteln, ob die Stadt Zürich ihnen etwa den Zugang zu öffentlichen Stellen oder sozialer
Wirtschaftshilfe verwehrte. Zu dieser Fragestellung gesellte sich auch jene nach der
Bedeutung der Stadtzürcher politischen Polizei (Staatsschutz) in der Zeit der (zweiten)
geistigen Landesverteidigung, d.h. inwiefern etwa das kommunistische Credo vieler
Spanienfreiwilligen eine Rolle für eine allfällige Diskriminierung spielte.
Für die Beantwortung dieser Fragen wurden hauptsächlich die Bestände des Stadtarchivs
Zürich gesichtet. Von besonderer Bedeutung waren die Akten der Sozialen Dienste der Stadt
sowie des Staatsschutzes (Kriminalkommissariat III, KK III). In der Absicht, weitere Belege für
eine allfällige Diskriminierung zu finden, wurden auch Nachlässe, Fonds privater
Organisationen und Parteiarchive herangezogen, welche Ego-Dokumente wie Briefe,
Unterstützungsbegehren, Dankesschreiben o.ä. beinhalteten. Auch Archive von
Berufsverbänden wurden zwecks Ermittlung allfälliger Berufsverbote mitberücksichtigt. Zu
diesem Zweck wurden auch Akten im Schweizerischen Bundesarchiv gesichtet. Durch
mündliche Interviews mit Kindern, Enkelkindern und Bekannten von Spanienfreiwilligen
wurden weitere Recherchemöglichkeiten sondiert.
Die Recherche ergab als besonders wichtigen Befund die Feststellung, dass jene ehemaligen
Spanienfreiwilligen, die sich in der Not um soziale Hilfe der Stadt bewarben, tatsächlich
unterstützt wurden. Zwar lässt sich in den Akten der Behörden ein missgünstiger, feindlicher
Blick auf diese Menschen erkennen, doch bleibt die Tatsache, dass die Stadt Zürich den
Rückkehrer*innen und ihren Familien wenn nötig unter die Arme griff.
Im Falle der Akten des Zürcher Staatsschutzes lässt sich hingegen kein definitiver Schluss
ziehen. Dies hängt damit zusammen, dass nur sehr wenige Fichen und Dossiers über die in
Zürich wohnhaften ehemaligen Spanienfreiwilligen überliefert sind bzw. dass im Laufe der Zeit
mit grosser Wahrscheinlichkeit Akten vernichtet wurden. Verweise auf eine Hervorhebung des
Spanieneinsatzes finden sich nur vereinzelt und es ist unklar, was genau mit diesem
Sonderstatus beabsichtigt wurde. Diese Quellenlage würde daraufhin hindeuten, dass die
Überwachung der ehemaligen Spanienfreiwilligen einen präventiven Charakter hatte. Es
wurde auch keine sogenannte ‘Schwarze Liste’ gefunden, die zur Verhängung von
Berufsverboten hätte eingesetzt werden können. Doch gerade aufgrund der kargen
Quellenlage im Stadtarchiv würde es sich lohnen, nach Beständen in anderen Institutionen zu
suchen und die Befragung von Zeitzeug*innen auszuweiten.
Date of Publication
2023-12-14
Publication Type
Report
Subject(s)
Keyword(s)
Spanischer Bürgerkrieg
Spanienfreiwillige
Spanienkämpfer
Stadt Zürich
Antikommunismus
Kalter Krieg
Diskriminierung
Stigmatisierung
Politische Überwachung
Staatsschutz
Spanienfreiwillige
Spanienkämpfer
Stadt Zürich
Antikommunismus
Kalter Krieg
Diskriminierung
Stigmatisierung
Politische Überwachung
Staatsschutz
Language(s)
de
Additional Credits
Publisher
Präsidialdepartement der Stadt Zürich
Access(Rights)
open.access