Fictionality and the Alterity of Premodern Literature
Options
Publisher DOI
Description
Der Artikel diskutiert die methodischen Schwierigkeiten einer historischen Konzeptualisierung von Fiktionalität mit Blick auf die volkssprachige Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, für die zentrale Komponenten des modernen Fiktionalitätsverständnisses – wie künstlerische Autonomie, individuelle Kreativität, ein realitätsbasierter Wahrheitsbegriff oder der ästhetische Dispens von der Wahrheitsverpflichtung – nicht vorauszusetzen sind. Entwickelt wird ein deskriptives Modell, das Fiktionalität in Abgrenzung von Faktualität (nicht aber Faktizität) beschreibt und als skalares sowie kompositionelles Phänomen versteht: Der fiktionale oder faktuale Status eines Textes kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein, und ein Text kann sowohl fiktionale als auch faktuale Partien enthalten. Als wesentlichen Kriterium eines diachronen Fiktionalitätsbegriff wird ferner der Einbezug historisch spezifischer institutioneller Praktiken beschrieben: Im Gegensatz zur neuzeitlichen Konvention des „make-believe“ wird für die vormoderne Literatur die interpassive Technik eines „delegated belief“ identifiziert, durch welche die Frage nach dem Wahrheitsgehalt nicht dispensiert, sondern einer unbestimmten externen Instanz überantwortet wird.
Date of Publication
2023-07-10
Publication Type
Book Section
Language(s)
en
Editor(s)
Hühn, Peter | |
Pier, John | |
Schmid, Wolf |
Additional Credits
Publisher
De Gruyter
ISBN
9783110616439
Book Title
Access(Rights)
metadata.only