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Pollenanalytische Untersuchungen über die neolithischen Siedlungsverhältnisse am Burgäschisee

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BORIS DOI
10.48620/36349
Description
1. Die Cortaillod-Besiedlung am Burgäschisee setzte rund 200 Jahre nach der Umwandlung der haselreichen Eichen-Ulmen-Linden-Eschenwälder in eichenreiche Buchenwalder mit zunehmendem Weisstannenanteil ein.
2. Dieser Vorläufer des Cortaillod-Abschnittes weist deutliche Spuren einer schon wenig Getreide bauenden Kultur auf; sie muss deshalb wohl als frühneolithisch bezeichnet werden, ist aber heute noch nicht naher zu lokalisieren. Ihre Spuren dürften sich in diesem etwas feuchtern Endabschnitt des Atlantikums (Abschnitt VII von FrRBAS) landwärts der heute ausgegrabenen Cortaillod-Siedlungsplatze finden (falls es sich um ähnliche Siedlungsweise gehandelt hat).
3. Der Cortaillod-Abschnitt fallt am Burgäschisee in einen etwas trockeneren Abschnitt am Übergang vom Atlantikum zum Subboreal. Er erstreckt sich absolut (unter Präzisierung unserer frühern Feststellungen und unter Verwendung einer C-14-Altersbestimmungszahl aus dem Laboratorium von Kopenhagen) etwa auf die Zeit zwischen 2750 und 2150 v. Chr.
4. Das altere Cortaillod im Sinne der heutigen Urgeschichtsforschung ist bis jetzt am Burgäschisee durch keine Fundplatzuntersuchung zuganglich geworden, muss aber nach Flugkohlen und Pollenbefunden in der Gegend Wohnplatze aufgewiesen haben.
5. Das jüngere Cortaillod ist durch die Siedlungen Südwest, Nord, Süd pollenanalytisch untersucht, und die Wohnplatze waren wahrscheinlich in dieser Reihenfolge besiedelt (die ersten zwei vielleicht mit ± gleichzeitigem Beginn). Es dürfte in diesen Siedlungen ungefähr den Zeitraum 2550-2150 v. Chr. einnehmen. Dabei ist es Sache der Archäologen, festzulegen, ob die jüngern Abschnitte tatsachlich typisches jüngeres Cortaillod darstellen oder, zufolge ihrer Michelsberger Anklange, als Übergangskulturen zu bezeichnen sind.
6. Die drei Siedlungen lagen alle auf dem zeitweise (etwa bei Hochwasser) überfluteten Uferstreifen zwischen Schilfzone und Ufergebüsch. Sie mögen etwas in die Schilf-Rohrkolben-Wasserschneide-Zone hineingereicht haben, standen aber sicher mit ihrem landseitigen Ende normalerweise auf dem Trockenen. Dabei scheint die Siedlung SW trockener, das heute bekannte Stück der Siedlung S feuchter gewesen zu sein. Das letzte scheint seine Ursache in einer Wasserstandshebung gehabt zu haben.
7. Für beide Siedlungen liegt überdies der Verdacht progressiver, am Schluss vielleicht sogar katastrophaler Senkungserscheinungen in der Seekreideunterlage nahe. Ob sich daraus das Fehlen von Vorratsfunden und die Vielzahl von Lehmschichten erklärt? Die spätere Seekreidebildung über der Kulturschicht spräche dann weder für Wasserstandshebung noch für Wassersiedlung.
8. Die Kulturmassnahmen der Cortaillod-Leute bestanden in einer Getreidekultur auf kleinen Brandflächen in einem weithin geschlossen bleibenden Wald. Die Verkrautung dieser Flachen lieferte willkommenes Viehfutter, das die Erträge aus der Waldweide ergänzte. Wahrscheinlich wurde der Bärenlauch (Allium ursinum), der vielleicht in einem bestimmten Anfangsstadium der Wiederbewaldung besonders üppig wuchs, als Gemüse- oder Futterpflanze wirtschaftlich genutzt. In gewissen Zeitabstanden wurden die alten Kulturflächen aufgelassen und neue angelegt. Als Viehfutter wurde, wahrscheinlich nur in der schlimmsten Jahreszeit, getrocknetes Laub von Linde, Esche, Ahorn und Ulme verwendet in Ergänzung des natürlichen Anfalls von Stroh aus den Kulturen. Wir halten Pferch- oder primitive Stallfütterung nur für die extremste Winterzeit für wahrscheinlich. Der Lein ist in der Art Linum angustifolium in einem einzigen Pollen für die Siedlung Süd nachgewiesen. Jagd und Fischfang und eine gewisse Sammeltätigkeit (Beerensamen!) sind hinzuzudenken.
9. Eine ähnliche Kulturtätigkeit scheint in der Gegend von Burgäschi nach den Diagrammen nicht weit über die Zeit der Siedlung Süd hinaus bestanden zu haben, vielleicht nur 200 bis 300 Jahre. Hierauf scheint ein gewisser Wechsel in Besiedlung oder Kulturweise eingetreten zu sein.
10. Wie wichtig auch in Zukunft eine unvoreingenommene Einreihung jeder prähistorisch datierbaren Kulturschicht in das Pollendiagramm ist, zeigt gerade diese Untersuchung. Das Neolithikum reicht am Burgäschisee beträchtlich weiter hinauf im Pollendiagramm, als noch im Jahr 1946 anzunehmen Grund war. Wir dürfen nicht vergessen, dass bis jetzt alle Zeitvergleiche auf dem Axiom basierten. Ähnlichkeit der Waldentwicklung bedeute gleiche Zeiten. Es liegt heute Grund zu der Annahme war, dass die erste Buchenzeit von Faulensee in Beginn, Dauer und Ende keineswegs völlig zusammenfallt mit der ersten Buchenzeit der Burgäschiseegegend. Wir hoffen, die Zeit sei nicht mehr allzu ferne, wo wir, gestützt auf genauere Datierungsmethoden, die Verschiedenheiten der Vegetationsentwicklung eines bestimmten Zeitabschnittes an verschiedenen Orten feststellen können.
Date of Publication
1955
Publication Type
Book Section
Language(s)
de
Contributor(s)
Welten, Max
Institute of Plant Sciences, Palaeoecology
Editor(s)
Guyan, Walter Ulrich
Levi, Hilde
Lüdi, Werner
Additional Credits
Institute of Plant Sciences, Palaeoecology
Publisher
Birkhäuser Verlag
Book Title
Das Pfahlbauproblem
Access(Rights)
restricted
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Build: dd892c [ 9.04. 8:30]
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