Ein Regiolekt im Berner Mittelland? Ein Arbeitsbericht.
Options
BORIS DOI
Description
Ein Regiolekt im Berner Mittelland? Ein Arbeitsbericht
Regiolekte oder Regionalsprachen werden als sprachliches Bindeglied zwischen der dialektalen und der hochsprachlichen Ebene einer Sprache verstanden. Ausserdem zeichnen sich Regiolekte und Regionalsprachen dadurch aus, dass sie nur gesprochen werden (Schmidt & Herrgen 2011: 63). Für die Diglossiesituation der Schweiz lässt sich das oben beschriebene Konzept eines Regiolekts kaum anwenden, da höchstens das Schweizer Hochdeutsche als Bindeglied zwischen Dialekt und Standardsprache genannt werden kann. Schweizer Hochdeutsch wird aber nicht ausschliesslich gesprochen, sondern auch geschrieben. Betrachtungen im SDS (Sprachatlas der Deutschen Schweiz; Baumgartner et at. 1962-2003) lassen kein Angleichen der Schweizer Dialekte an die Hochsprache erahnen und das über die Schweizer Grenzen hinaus bekannte Prestige des Standarddeutschen in der Schweiz erschwert das Angleichen zusätzlich.
Für meine Studie zum Berndeutschen im Berner Mitteland erhebe ich neue Daten. Ziel ist es, meine Daten mit den historischen Daten des SDS zu vergleichen und so Sprachwandel im genannten Raum zu veranschaulichen und wo möglich auch zu begründen. Für diese Studie werden Untersuchungen in den bereits im SDS dokumentierten Orten durchgeführt, anders als im SDS werden aber in meiner Untersuchung InformantInnen aus drei verschiedenen Altersgruppen dokumentiert. Besonders bei der jüngsten Sprechergruppe (16-35) fällt auf, dass ihre Dialekte der Standardsprache näher sind, als die Dialekte der älteren SprecherInnen. Während beispielsweise SprecherInnen ab 35 "I ga ga schaffe" (ich gehe arbeiten) sagen, gebrauchen jüngere InformantInnen eher die Äusserung "I ga ga arbeite". Bei den Varietäten der jüngsten SprecherInnen fällt ausserdem auf, dass regionale Merkmale verloren gegangen sind, nicht selten zu Gunsten der Standardsprache. Aus welchen Gründen es plötzlich zu einer Angleichung des Berndeutschen im Berner Mittelland an die Standardsprache kommt, ob man in diesem Fall bereits von einem Regiolekt oder einer Regionalsprache sprechen kann und ob diese Veränderung das Prestige der Standardsprache beeinflusst, soll Gegenstand dieses Vortrags sein.
Baumgartner Heinrich, Hotzenköcherle Rudolf (1962-2003). Sprachatlas der deutschen
Schweiz. Bern, Basel: Francke Verlag
Schmidt, Jürgen Erich und Joachim Herrgen (2011). Sprachdynamik. Eine Einführung in die moderne Regionalsprachenforschung. Berlin: Erich Schmidt Verlag
Regiolekte oder Regionalsprachen werden als sprachliches Bindeglied zwischen der dialektalen und der hochsprachlichen Ebene einer Sprache verstanden. Ausserdem zeichnen sich Regiolekte und Regionalsprachen dadurch aus, dass sie nur gesprochen werden (Schmidt & Herrgen 2011: 63). Für die Diglossiesituation der Schweiz lässt sich das oben beschriebene Konzept eines Regiolekts kaum anwenden, da höchstens das Schweizer Hochdeutsche als Bindeglied zwischen Dialekt und Standardsprache genannt werden kann. Schweizer Hochdeutsch wird aber nicht ausschliesslich gesprochen, sondern auch geschrieben. Betrachtungen im SDS (Sprachatlas der Deutschen Schweiz; Baumgartner et at. 1962-2003) lassen kein Angleichen der Schweizer Dialekte an die Hochsprache erahnen und das über die Schweizer Grenzen hinaus bekannte Prestige des Standarddeutschen in der Schweiz erschwert das Angleichen zusätzlich.
Für meine Studie zum Berndeutschen im Berner Mitteland erhebe ich neue Daten. Ziel ist es, meine Daten mit den historischen Daten des SDS zu vergleichen und so Sprachwandel im genannten Raum zu veranschaulichen und wo möglich auch zu begründen. Für diese Studie werden Untersuchungen in den bereits im SDS dokumentierten Orten durchgeführt, anders als im SDS werden aber in meiner Untersuchung InformantInnen aus drei verschiedenen Altersgruppen dokumentiert. Besonders bei der jüngsten Sprechergruppe (16-35) fällt auf, dass ihre Dialekte der Standardsprache näher sind, als die Dialekte der älteren SprecherInnen. Während beispielsweise SprecherInnen ab 35 "I ga ga schaffe" (ich gehe arbeiten) sagen, gebrauchen jüngere InformantInnen eher die Äusserung "I ga ga arbeite". Bei den Varietäten der jüngsten SprecherInnen fällt ausserdem auf, dass regionale Merkmale verloren gegangen sind, nicht selten zu Gunsten der Standardsprache. Aus welchen Gründen es plötzlich zu einer Angleichung des Berndeutschen im Berner Mittelland an die Standardsprache kommt, ob man in diesem Fall bereits von einem Regiolekt oder einer Regionalsprache sprechen kann und ob diese Veränderung das Prestige der Standardsprache beeinflusst, soll Gegenstand dieses Vortrags sein.
Baumgartner Heinrich, Hotzenköcherle Rudolf (1962-2003). Sprachatlas der deutschen
Schweiz. Bern, Basel: Francke Verlag
Schmidt, Jürgen Erich und Joachim Herrgen (2011). Sprachdynamik. Eine Einführung in die moderne Regionalsprachenforschung. Berlin: Erich Schmidt Verlag
Date of Publication
2018-09-13
Publication Type
Conference Item
Language(s)
de
Additional Credits
Title of Event
Access(Rights)
open.access