Handlungsraum oder Hürde? Gedanken zur Operativität der Notenschrift in tempopolyphoner Musik
Abstract
Durch die räumliche Anordnung von Symbolen stellt die Notenschrift zeitliche Verläufe dar. Sie ermöglicht dadurch, die Ordnung dessen, was in der Zeit abläuft, nicht nur überblicken, sondern auch manipulieren zu können. (Dies ist auch ein Grund, weshalb sich ab dem 9. Jahrhundert zusammen mit der Entwicklung der Mehrstimmigkeit synoptische Schreibformen, d. h. Partiturdarstellungen herausgebildet haben.) Es wäre also anzunehmen, dass diese bildliche Eigenschaft der Schrift, die das Nacheinander in der Zeit zu einem Nebeneinander im Raum werden lässt, gerade bei komplexen Tempostrukturen zu Übersichtlichkeit und Verständlichkeit beiträgt und so ein operatives Potenzial entfaltet. Tatsächlich ist die Partiturdarstellung von tempopolyphoner Musik aber oft eine graphische Herausforderung. Die Festlegung der räumlichen Anordnung der Symbole ist bei der Gleichzeitigkeit verschiedener Tempi nicht trivial und oft mit einem erheblichen (rechnerischen) Mehraufwand verbunden.
Dieser Beitrag möchte, unter Bezugnahme auf den aktuellen Diskurs zur Schriftbildlichkeit, Überlegungen dazu anstellen, wie die Notenschrift beim Komponieren von tempopolyphoner Musik ihre Funktion als Denk- und Handlungsraum entfaltet. Es soll gezeigt werden, welche Verfahren und Hilfsmittel Komponist*innen für ihre Skizzen, Arbeitsnotate und Reinschriften verwenden. Dazu werden sowohl historische Beispiele (z. B. zur Arbeitsweise von Conlon Nancarrow) als auch Erkenntnisse aus einem laufenden Forschungsprojekt beigezogen, die sich auf Beobachtungen, Analysen und Interviews mit den beteiligten Komponist*innen stützen. Ein abschließender Ausblick skizziert alternative kompositorische Strategien und weiterzuentwickelnde technische Hilfsmittel.
Dieser Beitrag möchte, unter Bezugnahme auf den aktuellen Diskurs zur Schriftbildlichkeit, Überlegungen dazu anstellen, wie die Notenschrift beim Komponieren von tempopolyphoner Musik ihre Funktion als Denk- und Handlungsraum entfaltet. Es soll gezeigt werden, welche Verfahren und Hilfsmittel Komponist*innen für ihre Skizzen, Arbeitsnotate und Reinschriften verwenden. Dazu werden sowohl historische Beispiele (z. B. zur Arbeitsweise von Conlon Nancarrow) als auch Erkenntnisse aus einem laufenden Forschungsprojekt beigezogen, die sich auf Beobachtungen, Analysen und Interviews mit den beteiligten Komponist*innen stützen. Ein abschließender Ausblick skizziert alternative kompositorische Strategien und weiterzuentwickelnde technische Hilfsmittel.
Date Issued
2019-10-05
Publication Type
Conference Item
Language(s)
de
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Access(Rights)
metadata.only