Wilhelm Tell als christlicher Hausvater in Jeremias Gotthelfs "Der Knabe des Tell"
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Jeremias Gotthelfs historische Erzählung für die Jugend "Der Knabe des Tell" (Berlin: Julius Springer, 1846) ist vor dem Hintergrund der diskursiven, politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen um die Gestaltung der Schweizer Nation in den 1840er-Jahren zu lesen. Gotthelf rückt Tells Sohn, als Identifikationsfigur für Jugendliche, ins Zentrum der Geschichte und lässt ihn schliesslich in der Schlacht am Morgarten den Heldentod sterben. Die christliche Erziehung des Sohns durch den vorbildlichen Hausvater wird zur wahren Meisterleistung Tells stilisiert. Die Umformung des Mythos entschärft in christlicher Perspektive die Problematik der Tell-Geschichte für den nationalen Mythos. Die Schweizer Nation gründet so nicht auf einem Tyrannenmord, aber auf dem intakten christlichen Haus, das die Grundlage für politische Partizipation im republikanischen Gemeinwesen sowie für Heldenmut und Aufopferungsbereitschaft für die nationale Gemeinschaft bildet. Diese einfache, sich wiederholende Botschaft des Werkes, welche von der zeitgenössischen Jugend durchaus zu verstehen war, ist mit Sticheleien und Seitenhieben gegen radikal-liberale Parteiführer im Kanton Bern durchsetzt.
Date of Publication
2023
Publication Type
Book Section
Language(s)
fr
Editor(s)
Candoni, Jean-François | |
Ruiz, Isabelle | |
Tautou, Alexis |
Additional Credits
Publisher
Association Presses Universitaires de Strasbourg
ISBN
978-2-38571-003-3
Access(Rights)
restricted