Die Borstgrasheiden in der Umgebung des Alpengartens auf der Schynigen Platte
Abstract
In der subalpinen Stufe unserer Alpen finden wir oft in einiger Entfernung von den Alphütten ausgedehnte Weideflächen, die mit «Borstgrasheide» bestanden sind (Nardetum alpigenum nach Braun-Blanquet 1949). Das sind magere, niedrigwüchsige Grasheiden, in denen das Borstgras (Bürstling, Fax, Fätsch, Nätsch; Nardus stricta) bei weitem die Hauptrolle spielt. Dieses zähe, horstbildende Gras stellt sehr geringe Ansprüche an die Nährstoffversorgung und ist deshalb vor allem auf extrem mageren, sauren Böden konkurrenzkräftig. Es kann auf nassen Seggentorf-Böden zusammen mit dem rasigen Haargras (Trichophorum caespitosum) die Rasendecke bilden, es kann auf übernutzten, durch Tritt verdichteten Böden weite Flächen besiedeln; in unseren Gegenden gedeiht es aber am besten auf flachen oder schwach geneigten Rohhumusböden in der subalpinen und unteren alpinen Stufe. Das Borstgras kann auf diesen mageren Böden so gut wachsen, weil es einen Wurzelpilz aufweist, wie das für viele Rohhumus und Torfbewohner nachgewiesen ist. Dieser kann aus dem sauren Untergrund leichter die nötigen Nährstoffe aufnehmen als die Wurzeln der Blütenpflanzen, an die er sie anschliessend weitergibt. Bei den Pflanzen, die auf reicheren Böden wachsen, fehlt diese Symbiose mit einem Pilz oder sie ist viel weniger ausgeprägt vorhanden. Deshalb ist der Fax auf sauren Böden so konkurrenzkräftig, deshalb schliessen sich hier seine Horste derart dicht. Sie sind struppig, selten mehr als 15 cm hoch und lassen kaum andere Arten aufkommen. Weil das Borstgras vom Vieh nur jung und nur ungern gefressen wird, während die alten, sehr zähen, fast stechend spitzen Blätter nicht mehr angenommen werden, sind diese Heiden als Viehweiden unproduktiv. Sie erscheinen bereits früh im Jahr vergilbt, weil die Nutzung im letzten Jahr ganz unvollständig war und deshalb die alten Blätter über dem jungen Grün eine gelblichgraue Decke bilden.
Date Issued
1972
Publication Type
Magazine Article
Subject(s)
Language(s)
de
Additional Credits
Publisher
Alpengarten Schynige Platte
ISSN
1664-6576
Magazine Title
Access(Rights)
restricted