Bildungsgrenzen im Spiegel der Panel-Studie TREE
Abstract
Der Beitrag exploriert die heutigen Schweizer Bildungsgrenzen, wie sie sich einerseits in allgemeinen statistischen Kennwerten zum Bildungssystem, andererseits in den Ergebnissen von TREE spiegeln, der nationalen Längsschnittstudie zu Verläufen zwischen dem Jugend- und dem jungen bis mittleren Erwachsenenalter. Auf der Basis einer Stichprobe von über 6'000 Schulabgängern des Jahres 2000 überstreicht TREE eine Beobachtungsdauer von fast 15 Jahren zwischen dem Ende der obligatorischen Schule und dem jungen Erwachsenenleben. Die Studie eignet sich deshalb ausgezeichnet als empirische Grundlage für die langfristige Analyse von Bildungsgrenzen, einschliesslich ihrer Mechanismen und Wirkungen. Der Beitrag beschäftigt sich insbesondere mit den folgenden Grenzziehungen: - Äussere Grenzen des Bildungssystems: die TREE-Ergebnisse wiederspiegeln eine substanzielle Ausdehnung der "Aussengrenzen" des Bildungssystems, die sich etwa in den immer länger werdenden Ausbildungsverläufen manifestieren. Diese Ausdehnung ist nicht nur einem stetig wachsenden Anteil von jungen Menschen geschuldet, die sich auf Tertiärstufe in Ausbildung befinden, sondern auch der wachsenden Bedeutung des lebenslangen Lernens. - Mit Blick auf die Übergänge zwischen Ausbildung und Erwerbsleben gilt das stark berufsbildungsorientierte Schweizer Bildungssystem sowohl national als auch international als "Erfolgsgeschichte". Analysen der TREE-Daten bestätigen diese Erfolgsgeschichte in weiten Teilen. Sie zeigen jedoch auch, dass ein nicht unbeträchtlicher Anteil junger Menschen von prekären Transitionen betroffen ist. Ausserdem verweisen sie auf beträchtliche Diskrepanzen zwischen den Anforderungen des Arbeitsmarktes und den Qualifikationen, die das Bildungssystem bereit stellt. - Binnengrenzen innerhalb des Bildungssystems: Im internationalen bildungspolitischen Diskurs werden heute offene, durchlässige Bildungssystemen gefordert, welche übers ganze System hinweg (Bildungs-)Mobilität begünstigen und Räume für "zweite Chancen" schaffen. Demgegenüber legen die TREE-Ergebnisse nahe, dass das nach wie vor stark segmentierte und segregierte Schweizer Bildungssystem eine grosse Zahl von diskontinuierlichen Bildungsverläufen generiert, welche ihrerseits das Risiko eines vorzeitigen Ausstiegs aus dem Bildungssystem erhöhen und auf eine unbefriedigende Ausschöpfung der Begabungsreserven hinweisen. - Soziale Grenzen: Viele TREE-Ergebnisse heben hervor, in welchem Ausmass in der Schweiz "askriptive" individuelle Merkmale wie Geschlecht, soziale Herkunft oder Migrationshintergrund Ausbildungs- und Erwerbsverläufe in allen Etappen (mit)bestimmen.
The contribution explores today's educational boundaries as they manifest themselves in general statistical data on the one hand and, on the other hand, the data and analyses of TREE. Spanning an observation period of almost 15 years between the end of compulsory school and young adulthood, TREE provides excellent empirical grounds for the long-term analysis of various education-related boundaries - including their mechanisms and their effects. This contribution will deal with the following types of boundaries: -External boundaries of the education system: analyses of the TREE data reflect the substantial extension of this type of boundary, manifesting itself in terms of educational careers or pathways lasting ever longer, not only owing to an ever growing proportion of youths enrolling in tertiary level education programmes, but also due to the increasing importance of activities termed life-long learning. With regard to school-to -work transition (i.e. at the boundary between education and labour market systems), Switzerland's education system with its predominance of dual VET is viewed as a "success story" both domestically and internationally. TREE analyses confirm this story to a large part, but also show precarious transitions and evidence of substantial discrepancies between young people's educational credentials and labour market demands. -Internal boundaries within the education system: While the international discourse in education policy has come to advocate open, permeable education systems allowing for mobility and "second chances" throughout the entire educational career, TREE results show how the heavily tracked, segmented and segregated Swiss education system provokes an unnecessarily large number of discontinuous educational pathways and premature dropout; -Social boundaries: Many TREE results underline to what extent "ascriptive" individual characteristics such as gender, social origin or migration background influence education and labour market careers at all stages.
Date Issued
2016-06-30
Publication Type
Conference Item
Language(s)
de
Author(s)
Additional Credits
Publisher
TREE
Access(Rights)
open.access