Der funktionale Gesundheitsbegriff – Reflexionen zwischen Theorie und Praxis der Gesundheitsförderung. Ein Essay
Abstract
Seit vielen Jahren treibt mich der unbedarfte Umgang mit Begrifflichkeiten
in den verschiedenen Gesundheitsdiskursen
um. Dazu gehört aktuell die Bereitwilligkeit, den Begriff «Social
Distancing» zu propagieren, wenn eigentlich ein physikalisch-
räumlicher Abstand gemeint ist und soziale Nähe und
Unterstützung gebraucht wird. Dazu gehört auch, dass von
«Herdenimmunität» gesprochen wird, wenn wir von Menschen
reden und der Begriff «Bevölkerungsimmunität» ebenso
gut passen würde. Könnte es vielleicht sein, dass «das Soziale
» in und um die Gesundheit begrifflich nicht oder zu wenig
geschützt ist, weil es keine professionelle Autorisierung hat?
Ähnlich ist es vielleicht mit dem Begriff «Gesundheit», um den
es im Folgenden geht. Auch dieser ist nicht professionell geschützt.
Während Krankheiten professionell verbindlich definiert
sind (unter anderem über die International Classification
of Diseases, ICD), scheint der Begriff «Gesundheit» mehr
oder weniger «ungeschützt». Und so wird «Gesundheit»,
selbst im soziologischen Fachdiskurs, in immer wieder auftauchenden,
unsinnigen Verknüpfungen verwendet, nämlich
als «Gesundheitsprävention» – als wolle man der Gesundheit
(statt der Krankheit) vorbeugen. Diese Begriffe ergeben keinen
Sinn – und doch scheint kaum jemand zu widersprechen.
Warum eigentlich?
in den verschiedenen Gesundheitsdiskursen
um. Dazu gehört aktuell die Bereitwilligkeit, den Begriff «Social
Distancing» zu propagieren, wenn eigentlich ein physikalisch-
räumlicher Abstand gemeint ist und soziale Nähe und
Unterstützung gebraucht wird. Dazu gehört auch, dass von
«Herdenimmunität» gesprochen wird, wenn wir von Menschen
reden und der Begriff «Bevölkerungsimmunität» ebenso
gut passen würde. Könnte es vielleicht sein, dass «das Soziale
» in und um die Gesundheit begrifflich nicht oder zu wenig
geschützt ist, weil es keine professionelle Autorisierung hat?
Ähnlich ist es vielleicht mit dem Begriff «Gesundheit», um den
es im Folgenden geht. Auch dieser ist nicht professionell geschützt.
Während Krankheiten professionell verbindlich definiert
sind (unter anderem über die International Classification
of Diseases, ICD), scheint der Begriff «Gesundheit» mehr
oder weniger «ungeschützt». Und so wird «Gesundheit»,
selbst im soziologischen Fachdiskurs, in immer wieder auftauchenden,
unsinnigen Verknüpfungen verwendet, nämlich
als «Gesundheitsprävention» – als wolle man der Gesundheit
(statt der Krankheit) vorbeugen. Diese Begriffe ergeben keinen
Sinn – und doch scheint kaum jemand zu widersprechen.
Warum eigentlich?
Date Issued
2021
Publication Type
Article
Language(s)
de
Additional Credits
Journal
Swiss Academies reports
Publisher
SAMW
ISSN
2297-1564
Access(Rights)
open.access