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Erschöpfende Willenskraft? Zur Existenz/Nicht-Existenz des Ego Depletion-Effekts

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Unter Selbstkontrolle wird die willentliche Unterdrückung oder Veränderung einer akut gegebenen Reaktionstendenz verstanden. Im sportlichen Kontext ist Selbstkontrolle häufig erforderlich, beispielsweise beim Durchhalten während hoher Ausdauer- und Kraftanstrengungen oder bei der Fokussierung der Aufmerksamkeit trotz ablenkender Zuschauerrufe. Gemäß dem Ressourcen-Modell der Selbstkontrolle steht Menschen ein begrenztes Willenskraft-Reservoir zur Ausübung von Selbstkontrolle zur Verfügung. Nach anfänglicher Selbstkontrolle soll demnach die weitere Selbstkontrollleistung einer Person vorübergehend abfallen (der Ego Depletion-Effekt), bis sich die zuvor erschöpfte Willenskraft wieder erholt hat. Nach einer „goldenen Ära“ der Ego Depletion-Forschung, mehrte sich in den letzten Jahren die Kritik an dem Ressourcen-Modell. Unter anderem wird die Existenz des Ego Depletion-Effekts grundsätzlich infrage gestellt. Drei groß angelegte Replikationsprojekte, für die mehrere Forschergruppen aus verschiedenen Ländern Daten erhoben, erbrachten insgesamt kein eindeutiges Ergebnis, ob der Ego Depletion-Effekt existiert oder nicht. Dies liegt nicht zuletzt an gravierenden methodischen Defiziten, die keinen Schluss über das zu untersuchende Phänomen zulassen. In meinem Vortrag werde ich die Kritik an den genannten Replikationsprojekten darstellen. Daraufhin werde ich aus meiner Sicht wesentliche Punkte für die weitere Ego Depletion-Forschung nennen. Dazu gehört auch die Theorieentwicklung, zu der ich exemplarisch mein vor Kurzem publiziertes Schema-Modell der Selbstkontrolle zähle (siehe https://doi.org/10.3389/fpsyg.2020.02256; Open Access). Nach diesem Modell kann der Ego Depletion-Effekt als Folge der kognitiven Aktivierung des Konzeptes verringerter Vitalität (i.S.v. verminderter Energieverfügbarkeit) und dadurch ausgelöster Anstrengungsreduktion auftreten. Dieser Prozess soll jedoch an mehreren Stellen durch weitere Variablen moderiert werden können, wodurch in bestimmten Fällen die Manifestierung des Ego Depletion-Effekts unterbunden werden soll. Abschließend werde ich die empirischen Ergebnisse eines Experiments (N = 251) zum Schema-Modell der Selbstkontrolle präsentieren, die nahelegen, dass Menschen die Ausübung von Selbstkontrolle (hier: bei einer perzeptuell-motorischen Anforderung) und verringertes Vitalitätsempfinden kognitiv assoziieren. Dieser Befund deutet vorsichtig an, dass der Ego Depletion-Effekt zumindest in den Gedächtnisstrukturen von Menschen existiert. Zusammengefasst vertrete ich den Standpunkt, dass es verfrüht ist, von der Nicht-Existenz des Ego Depletion-Effekts auszugehen oder gar die Ego Depletion-Forschung ad acta zu legen.
Date of Publication
2021-05-14
Publication Type
Conference Item
Subject(s)
100 Philosophy > 150 Psychology
300 Social sciences, sociology & anthropology > 370 Education
Language(s)
de
Contributor(s)
Bertrams, Alexander Gregororcid-logo
Institut für Erziehungswissenschaft, Pädagogische Psychologie
Additional Credits
Institut für Erziehungswissenschaft, Pädagogische Psychologie
Title of Event
53. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp)
Access(Rights)
metadata.only
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Build: dd892c [ 9.04. 8:30]
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