Die historischen Willems-Fragebogen: Möglichkeiten für die Erforschung grammatischer Variation im West(mittel)deutschen
Abstract
1885 wurde eine Fragebogenerhebung von Pieter Willems durchgeführt. Die sog. Enquête von Willems stellt eine der ältesten dialektologischen Fragebogenerhebungen dar. Dabei wurden Ortsdialekte in den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Luxemburg sowie im damaligen Deutschen Reich dokumentiert. Von den 349 eingegangenen Fragebogen stammen 59 aus Orten im heutigen bundesdeutschen Staatsgebiet. Dieser Fragebogen ist besonders interessant, weil er über 15.000 Abfrageitems umfasst (Goossens 1989) und damit viel Potenzial für Fragestellungen im Bereich der Dialektmorphologie und -syntax.
In der Fallstudie geht es um die zweigliedrige Negation mit en... nicht, welche sich im Westmitteldeutschen bis in die frühneuhochdeutsche Periode hineingehalten hat (Fleischer & Schallert 2011: 232). Nach Münch (1904: 192) ist die Variante sogar in rezenten westmitteldeutschen Dialekten belegt. Fleischer (2017) konnte allerdings keine Evidenz dafür bei seiner Auswertung von Wenkersätzen finden. Im Fragebuch von Willems werden Gewährspersonen gefragt: "Wordt in de volkstaal de ontkenning gewoonlijk vergezeld van en: b.v. ik en zeg dat niet?". Es zeigt sich, dass Ende des 19. Jahrhunderts die zweigliedrige Negation im Westen des Ripuarischen und Niederfränkischen verbreitet war. Damit liegt erstmals Evidenz für die diatopische Verbreitung dieser Variante in den rezenten Dialekten des Deutschen vor. Darüber hinaus wird anhand einer Analyse metasprachlicher Äußerungen gezeigt, dass die Variante en...nicht verhältnismäßig selten, grammatisch beschränkt und tendenziell eher von älteren Personen genutzt wird: diese Beobachtungen lassen auf einen diachronen Wandel schließen, bei dem die zweigliedrige Negation dabei war, abgebaut zu werden. Dieser Prozess ist vermutlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts abgeschlossen.
In der Fallstudie geht es um die zweigliedrige Negation mit en... nicht, welche sich im Westmitteldeutschen bis in die frühneuhochdeutsche Periode hineingehalten hat (Fleischer & Schallert 2011: 232). Nach Münch (1904: 192) ist die Variante sogar in rezenten westmitteldeutschen Dialekten belegt. Fleischer (2017) konnte allerdings keine Evidenz dafür bei seiner Auswertung von Wenkersätzen finden. Im Fragebuch von Willems werden Gewährspersonen gefragt: "Wordt in de volkstaal de ontkenning gewoonlijk vergezeld van en: b.v. ik en zeg dat niet?". Es zeigt sich, dass Ende des 19. Jahrhunderts die zweigliedrige Negation im Westen des Ripuarischen und Niederfränkischen verbreitet war. Damit liegt erstmals Evidenz für die diatopische Verbreitung dieser Variante in den rezenten Dialekten des Deutschen vor. Darüber hinaus wird anhand einer Analyse metasprachlicher Äußerungen gezeigt, dass die Variante en...nicht verhältnismäßig selten, grammatisch beschränkt und tendenziell eher von älteren Personen genutzt wird: diese Beobachtungen lassen auf einen diachronen Wandel schließen, bei dem die zweigliedrige Negation dabei war, abgebaut zu werden. Dieser Prozess ist vermutlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts abgeschlossen.
Date Issued
2021-09-13
Publication Type
Conference Item
Language(s)
de
Author(s)
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